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Aktuell wehren sich nur wenige Hollywood-Stars gegen deutsche Veröffentlichungen. Die deutschen Boulevardmedien profitieren davon seit Jahrzehnten. Mittlerweile gehen internationale Prominente dazu über, ihre Persönlichkeitsrechte von Kanzleien wie unserer aus Deutschland vertreten zu lassen. 

Auf den Titelcovern deutscher Boulevardzeitschriften sieht man Kate Moss sich oben ohne in der Sonne räkeln. Julia Roberts in Bikini wird zum Anlass genommen, ihren Po und ihre Oberschenkel derart groß heranzuzoomen, um attestieren zu können, dass sie an schwerer Cellulitis leide.

Eva Longoria sieht man hochschwanger in Jogginghose, ganz ungeschminkt und durch das erwartete Kind ersichtlich mitgenommen beim privaten Spaziergang durch L.A.; dazu ein herablassender Kommentar, dass sie früher einmal eine Schönheit gewesen sei. Andere Titelgeschichten beschäftigen sich wochenlang mit der Ehe von George Clooney, die angeblich am Ende sei, weil er ein uneheliches Kind habe und er sich im Dauer-Klinsch mit seiner Schwiegermutter befinde. Andere Stars werden durch sogenannte Paparazzi-Fotografen im privaten Badeurlaub regelrecht belagert, um Fotos mit deren Kindern anzufertigen oder sie sehen sich mit frei erfundenen Interviews konfrontiert.

Wie ist es aber möglich, dass deutsche Verlagshäuser sich trauen, die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen derart offensichtlich zu verletzen?

Ausländischen Stars bleiben deutsche Veröffentlichungen verborgen

Der Grund, weshalb deutsche Medien so leichtfertig mit den Persönlichkeitsrechten von ausländischen Betroffenen umgehen, ist ganz simpel. Deutsche Verlagshäuser haben erkannt, dass sich die wenigsten ausländischen Prominenten gegen deutsche Veröffentlichungen wehren. Ihnen bleiben die Veröffentlichungen meist verborgen. Für die Verlage ist dieser Umstand wie ein „Sechser“ im Lotto.

Sie sparen sich hohe Kosten für die Recherche der Journalisten und können mit einer Geschichte exklusiv auf den Markt gehen. Denn die Konkurrenz wird sich in den wenigsten Fällen die selbe Story ausgedacht haben.

Hinsichtlich der Abbildung von Paparazzi-Fotos, zum Beispiel im Familienurlaub, schaffen die Medien höchst private Einblicke in das Alltagsleben von Prominenten. Derartige Fotos wecken die Neugierde der Leser, die bereitwillig die Zeitschriften am Kiosk kaufen – verleitet durch das mögliche Erhaschen von Indiskretionen. Damit geht eine eklatante Auflagensteigerung der Verlage einher. Dies setzt sich für sie in klingende Münze um. Hinzu kommt, dass die Verlage für die Geschichten so gut wie nichts bezahlen müssen. Es besteht ein sehr geringes Risiko rechtlicher Konsequenzen. Denn wo bekanntlich kein Kläger, da kein Richter. Im Ergebnis also ein mehr als lukratives Geschäftsmodell.

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Patricia Cronemeyer mit Schauspieler Brad Pitt bei den Golden Globes.

Was kosten den Verlag schwere Rechtsverletzungen in Deutschland?

Deutsche Prominente sind in den meisten Fällen medienrechtlich vertreten. Verlagshäuser zeigen sich daher entsprechend zurückhaltend mit schwerwiegenden Eingriffen in Persönlichkeitsrechte, so wie oben dargestellt. Derartige höchstsensible Eingriffe werden nur riskiert, wenn die damit einhergehende prognostizierte Auflagenhöhe derart groß ist, dass sich die Rechtsverletzung für sie lohnt. Dies ist der Fall, wenn die zu zahlenden Kosten, zum Beispiel für einen Rechtsstreit, geringer ausfallen als die Einnahmen vom Verkauf der Zeitschriften. Die Entscheidung der Verlagshäuser, Rechtsverletzungen in Kauf zu nehmen, hängt also von einer schlichten, kaufmännischen Kalkulation ab.

Besonders problematisch sind für deutsche Medienanbieter schwere Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen deshalb, weil sie sehr kostenintensiv sein können. In diesen Fällen haben die Opfer nicht nur einen Anspruch auf Unterlassung oder auf Berichtigung (bei unwahren Behauptungen), sondern auch einen Anspruch auf eine Geldentschädigung. Geldentschädigungen können für Verlage finanziell sehr schmerzlich sein. Sie sollen laut der Rechtsprechung des BGH einen echten Hemmungseffekt ausüben und die Verletzer davon abhalten, weitere Rechtsverletzungen dieser Art erneut zu begehen. Daneben soll eine Geldentschädigung natürlich auch das erlittene Unrecht kompensieren.

So haben deutsche Gerichte in jüngster Zeit zum Beispiel für die folgenden Veröffentlichungen in Boulevardmedien an Geldentschädigungen ausgeurteilt:

  • Im Jahr 2017 titelte eine Zeitschrift neben einem Foto von Michael Schumacher: „Er ist nicht mehr unter uns“. Der Familie wurden wegen der besonderen Pietätlosigkeit der Aussage über einen Lebenden, der als tot erklärt wurde, 100.000 Euro zugesprochen.
  • Für elf unzulässige Berichterstattungen erhielt Jogi Löw gerichtlich eine Geldentschädigung in Höhe von insgesamt 220.000 Euro zugesprochen. Gegenstand der Entscheidung waren insbesondere Berichte über Löw im Urlaub sowie Spekulationen über eine mögliche Liebesbeziehung zu seiner Patentochter. Bebildert wurden die Artikel unter anderem mit Fotos von Löw unter der Dusche im Urlaub oder in einem Berliner Café.

Besonders teuer kann es für Verlage auch werden, wenn Kinderfotos abgebildet werden, insbesondere in privaten Situationen wie zum Beispiel bei Familienurlauben am Strand. Die Rechtsprechung hält die sogenannten „Eltern-Kind-Beziehung“ für besonders schutzbedürftig, da Kinder die Möglichkeit haben müssen, sich ohne die ständige Beobachtung durch die Medien entwickeln zu können. Dies gilt selbstverständlich nicht, wenn die Öffentlichkeit zuvor bewusst gesucht wurde.

Als schwer rechtswidrige Eingriffe sind auch die oben dargestellten Fälle von Eva Longoria oder Julia Roberts zu bewerten, bei denen es offensichtlich nur darum geht, die Abgebildeten in der Öffentlichkeit bloßzustellen oder wie im Falle Clooney bei frei erfundenen Geschichten. Eingriffe in die Intimsphäre (nackte Kate Moss) gelten stets als schwer und gehen mit Geldentschädigungsansprüchen einher.

Zu berücksichtigen ist bei alldem auch, dass der Werbewert der Prominenz durch die beispielhaft genannten Fälle herabgesetzt wird. Prominente sind oft ihre eigene Marke, die durch vermeintlich unmoralisches Verhalten (George Clooney betrügt seine Frau) oder dem angeblichen Verlust von Schönheit verwässert wird. Eva Longoria, die auf dem deutschen und auch europäischen Markt für Schönheitspflege wirbt, können die oben bezeichneten Paparazzi-Fotos samt dem abwertenden Kommentar daher auch dahingehend Schaden zufügen, dass sie für Firmen als Testimonial plötzlich nicht mehr attraktiv ist.

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Die wenigsten ausländischen Prominenten wehren sich gegen deutsche Veröffentlichungen.

Seit 2017 Repräsentanz der Kanzlei in Hollywood

Meine Sozietät betreut seit einigen Jahren auch ausländische Stars auf dem deutschen Markt. Sei es, dass ausländische Künstler spezielle Verträge benötigen, zum Beispiel wenn sie in Deutschland auf Konzert-Tournee gehen oder Werbedeals für den deutschen Markt abschließen wollen. Sei es, dass die deutsche Presse rechtswidrig über sie berichtet. Wir beobachten den deutschen Zeitschriften-Markt und nehmen für unsere Mandanten eine wöchentliche Pressesichtung vor, damit diese über Persönlichkeitsrechtsverletzungen durch die Medien informiert werden und dagegen rechtlich vorgehen können. Es ist zu beobachten, dass deutsche Verlage umgehend vorsichtiger und zurückhaltender mit den Persönlichkeitsrechten von anwaltlich vertretenen, ausländischen Prominenten umgehen. Zu groß ist die Gefahr, dass empfindliche Geldentschädigungen bei schweren Rechtsverletzungen zu zahlen sind.

Ein schöner Nebeneffekt einer Repräsentanz in L.A. sind Einladungen vor Ort, wie zum Beispiel zu den Golden Globes. So war ich dankbar, auch dieses Jahr wieder dabei gewesen sein zu dürfen.

Der Beitrag wurde am 28. Januar 2020 auf XING veröffentlicht.