Presserechtliches Informationsschreiben

 Presserechtliches Informationsschreiben

 

Veröffentlichung in „BILD“ bzw. unter  „https://www.bild.de/unterhaltung/leute/leute/seelen-striptease-56581614.bild.html“ vom 08.08.2018

„Lilly Beckers Seelen-Striptease“

Unsere Mandantschaft: Lilly Becker

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

in der oben genannten Angelegenheit zeigen wir die rechtliche Vertretung von Sharlely („Lilly“) Becker-Kerssenberg an. Ordnungsgemäße Bevollmächtigung wird anwaltlich versichert.

Gegenstand unserer Beauftragung ist eine Berichterstattung der BILD vom heutigen Tage, die unsere Mandantin aus einem auf Niederländisch gegebenen Interview u.a. mit den Worten

„Ich bin bipolar! […]“

falsch übersetzt und zitiert.

Denn in dem Interview lautete die entsprechende Passage im Wortlaut wie folgt:

„Ik lijk wel bipolair, […]“

und ist daher mit obenstehender deutscher Fassung falsch wiedergegeben und übersetzt.

Denn es besteht ein substanzieller Unterschied darin, ob sich jemand als „bipolar“ im Sinne einer sog. bipolaren affektiven Störung (feststehendes Krankheitsbild gem. Ziff. F31 der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, ICD-10) bezeichnet, oder aber – wie unsere Mandantin – von sich umgangssprachlich mitteilt, er/sie fühle sich manchmal „bipolar“, mithin also manchmal gefühlsmäßig zwiegespalten.

Unsere Mandantschaft stellt Ihre ursprüngliche Aussage daher ausdrücklich dahingehend klar, dass sie mit Ihrer Äußerung kein feststehendes Krankheitsbild einer bipolaren affektiven Störung gemeint hat. Gegenteilige Übersetzungen und/oder Zitierungen sind falsch.

Dementsprechend hat auch die Webseite „www.bild.de“ unter Eingestehung einer fehlerhaften Übersetzung die obenstehende falsche Berichterstattung ausdrücklich abgeändert und sich hierfür bei unserer Mandantin ausdrücklich entschuldigt.

In der aktualisierten Berichterstattung heißt es nun (auszugsweise):

 

„[…] „Manchmal fühle ich mich, als wäre ich bipolar!“, (* siehe unten) beichtet sie. „An einem Tag bin ich superglücklich, am nächsten Tag liege ich jammernd auf der Couch. Ich mache dieses Interview auch, damit ich vielleicht jemand helfen kann, der auch in dieser Situation ist …“

[…]

* In der ursprünglichen Version dieses Artikels wurde Lilly Becker mit den Worten zitiert: „Ich bin bipolar!“. Richtig ist: Im Interview mit dem Magazin „Linda“ sagt sie, „Manchmal fühle ich mich, als wäre ich bipolar!“. Wir entschuldigen uns ausdrücklich bei Lilly Becker für die falsche Formulierung.“

(vgl. https://www.bild.de/unterhaltung/leute/leute/seelen-striptease-56581614.bild.html)

– Hervorhebungen durch die Unterzeichnerin –

Diese notwendige Korrektur entspricht auch der geltenden Rechtslage, nach welcher falsche Zitierungen/Übersetzungen Unterlassungsansprüche des Betroffenen nach den §§ 1004 Abs. 1 S. 2 analog, 823 Abs. 1, 2 BGB i.V.m. Art. 2. Abs. 1, Art. 1 Abs. 1 GG wegen Verstoßes gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht auslösen.

Denn dieses Grundrecht schützt den einzelnen u.a. davor, dass ihm Äußerungen zugeschrieben werden, die er nicht getan hat und die seine Privatsphäre oder den von ihm selbst definierten sozialen Geltungsanspruch beeinträchtigen (BVerfG NJW 1993, 2925, 2926). Es schützt insbesondere auch vor unrichtigen, verfälschten oder entstellten Wiedergaben einer Äußerung (vgl. BVerfG NJW 1973, 1221 – Soraya; BVerfG NJW 1980, 2070 – Eppler; BVerfG NJW 1980, 2072 – Böll, BVerfG NJW 1993, 2925, 2926). Der Schutz findet seinen Grund darin, dass mit dem Zitat nicht eine subjektive Meinung des Kritikers zur Diskussion gestellt, sondern eine objektive Tatsache über den Kritisierten behauptet wird. Deswegen ist das Zitat, das als Beleg für Kritik verwendet wird, eine besonders scharfe Waffe im Meinungskampf. Ist es unrichtig, verfälscht oder entstellt, so greift dies in das Persönlichkeitsrecht des Kritisierten umso tiefer ein, als er hier sozusagen als Zeuge gegen sich selbst ins Feld geführt wird (vgl. BVerfG NJW 1980, 2072, BVerfG NJW 1993, 2925, 2926). Unsere Mandantschaft hat indes nicht geäußert, sie leide an einer bipolaren affektiven Störung (s.o.).

Angesichts dessen gehen wir davon aus, dass zum einen bereits erfolgte Falschübersetzungen/-zitierungen der ursprünglichen Aussage unserer Mandantschaft umgehend korrigiert, ergänzt oder gelöscht (falls nicht bereits erfolgt) und zum anderen noch geplante Berichterstattungen, die solche Falschübersetzungen/-zitierungen enthalten, unterbleiben werden.

Die Berichterstattung verletzt die Persönlichkeitsrechte unseres Mandanten, da sie in dessen Privatsphäre eingreift. Überdies verstößt der Artikel massiv gegen die Grundsätze der Verdachtsberichterstattung und der journalistischen Sorgfalt, da unserem Mandanten vor der Berichterstattung keine Gelegenheit zu einer anwaltlichen Stellungnahme gegeben wurde. Die in dem Artikel enthaltene Aussage, „gegenüber BILD wollte sich der Boxer nicht äußern“, ist unzutreffend.

Außerdem stellt die Äußerung, unserer Mandantschaft „drohe Knast“, eine unwahre Tatsachenbehauptung dar, da in dem in Bezug genommenen Strafverfahren keine Freiheitsstrafe droht und der strafrechtliche Vorwurf aller Voraussicht nach gänzlich fallengelassen wird.

Überdies veröffentlicht die Berichterstattung den angeblichen Inhalt eines Bundeszentralregisterauszugs unserer Mandantschaft. Diese Verbreitung sensibler personenbezogener Daten geschieht unbefugt und ist daher mutmaßlich gesetzeswidrig (§§ 43, 44 Bundesdatenschutzgesetz).

Aus den vorgenannten Gründen haben wir Sie dringend aufzufordern, von einer Übernahme dieser Berichterstattung Abstand zu nehmen. Wir sind bereits beauftragt, presserechtliche Schritte gegen die BILD-Veröffentlichung vorzunehmen.

Der guten Ordnung halber weisen wir darauf hin, dass dieses Schreiben lediglich der Rechtswahrung unserer Mandantschaft dient und nicht als Stellungnahme zum Zwecke der Veröffentlichung vorgesehen ist.

 

Eine Wiedergabe dieses Schreibens, gleichwohl ob durch Abbildung, wörtliches oder sinngemäßes Zitat, hat daher zu unterbleiben.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

 

Dr. Patricia Cronemeyer

Rechtsanwältin

2018-09-18T09:39:41+00:00